Ansichten eines Fooligans: Bergpredigt

Ansichten eines Fooligans: Bergpredigt
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Und wahrlich, ich sage euch: Eher fliegt ein Schwein über das Matterhorn, als dass Geld bei dieser EM Tore schießt.
Mir ist biblisch zumute in diesen Tagen. Ich kann es kaum erwarten, wieder Fußball zu sehen. Fußball, bei dem Fehler gemacht werden, Fußball, bei dem nicht der Kontostand entscheidet, sondern taktische Klugheit, Mut, Motivation und die Magie des Moments.

Am vergangenen Mittwoch standen sich im Finale der Champions League zwei Teams gegenüber, die es zustande gebracht haben, die reichsten Vereine des Erdballs zu sein UND die am höchsten verschuldeten.
Chelsea hat 736 Millionen Pfund Schulden, Manchester United 764 Millionen Pfund. Gläubiger sind in beiden Fällen die Besitzer.


Nach moderner Fußball-Arithmetik war es nur folgerichtig, dass der noch etwas verschuldetere Verein am Ende gewann – im passiv-aggressiven Fußball dieser Tage sind Passiva sowieso Aktiva.
Wie archaisch dagegen die EM!
Mit dem Bruttoinlandsprodukt von Kroatien (60 Milliarden $) kann man sich gerade mal einen Abramowitsch kaufen, wovon wiederum die Engländer (Bruttoinlandsprodukt: 2 Fantastilliarden Pfund) sich auch nichts kaufen konnten.
Deutsche und Tschechen arbeiten als Call-Center-Agents im reichen Irland (das Pro-Kopf-Einkommen liegt in Irland 31% über dem in Deutschland), ließen die wohlhabenden Iren aber erster Klasse aus der Qualifikation fliegen.

Ganz ohne Zweifel ist die Champions League das fußballerisch anspruchsvollste Turnier, das es derzeit gibt.
Es geht dort zu wie in Asterix bei den Olympischen Spielen, wo die gedopten Römer im Gleichschritt über die Ziellinie kommen. Jede Position ist optimal besetzt mit einem wertvollen Spielzeug. Entschuldigung: Spieler. Im Grunde sind alle Mannschaften gleich gut, am Ende entscheidet die Frage, wer nicht genug Schulden aufgenommen hat und tatsächlich noch einen Engländer antreten lassen muss zum Elfmeterschießen. Chelsea und Manchester neutralisierten sich wie Russen und Amerikaner im Kalten Krieg, was ja nur logisch ist, schließlich gehören sie ja auch Russen und Amerikanern.


Bei der EM gibt es keine Perfektion. Sogar Deutschland bringt zwei Zweitliga-Spieler, die bei Manchester nicht einmal den Rasen testen dürften.
Die Spieler machen also Fehler und mit den Fehlern kommt das Drama in das Spiel. Die Größe.
Und die Ärmsten können die Ersten sein.
Was will man mehr.
Hallelujah.


Malte Welding ist Autor bei Spreeblick.com und wird in den nächsten Wochen aus deutscher Sicht die Euro 2008 auf facts kommentieren.
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