„Auf halben Weg ein anständiger Mensch“
Brötchen vor die Säue
Kahneman, der Schreck der Ökonomen
Der gespiegelte Mensch
"Gute Lügner sind sympathischer"
Per Anhalter durch die Galaxis
Diskussion
Wenn die Presse fragt, ob es eigentlich gerecht und nötig ist, Fehlentscheidungen und Unfähigkeit von entlassenen Top-Versagern mit astronomischen Abschiedssummen zu vergolden, die manchem Dritte-Welt-Land aus ihrer Not helfen würden, schreien gewisse Leute reflexartig: Neidgesellschaft! Erfolgreich arbeitende Unternehmer sind in der Presse oder bei Politikern aber unbestritten. Es ist die Kaste der oberen Manager, die sich selbst in den letzten Jahren unbedenklich desavouiert hat.
Ob konservative und sozialrevolutionäre Weltanschauung, man geht hierzulande davon aus, dass den Menschen die Dinge, die sie haben dürfen, auch irgendwie zustehen müssten. Neid entsteht dann, wenn die Zuteilung der Privilegien mit diesen Rechten nicht übereinstimmt. Deshalb regt sich niemand über das Einkommen von David Beckham oder von Madonna auf.
Gemäss meiner Beobachtung sind die meisten Menschen auch nicht neidisch auf Geld, sondern auf Talent, Können, Intelligenz, etc..
Ihre wie immer messerscharfe Analyse, mit anschliessender geradliniger und verständlicher Argumentation, muss ich doch mit folgenden Gedanken ergänzen. Eingehend auf die zwei Schlusszeilen in Ihrem Beitrag, muss ich basierend auf meiner Lebenserfahrung vehement widersprechen. Geld als Neidauslöser lasse ich mal weg, weil dies zu einer Endlosschlaufe in der Diskussion führen könnte. Nicht in erkennbarem Umfang konnte ich meinem Leben feststellen, dass Menschen Neid auf Intelligenz entwickeln. Es ist immer wieder frappierend, mit wie viel Intelligenz sich die Leute - bei einer Eigeneinschätzung - ausgestattet fühlen.
Bei Talent und Können kann das Verhalten der Leute zwischen Bewunderung und allenfalls bewundernswertem Neid hin und her schwanken. Dies aber dann eher wieder, wenn das beneidete Talent oder Können der Anderen, offensichtlich zu erkennbar grossen - von den Medien berichteten - Einnahmen führt.
Haben Sie schon erlebt, dass andere Menschen Neid entwickeln, weil Freunde mehr Talent im Umgang mit Kindern, Alten oder Pflegebedürftigen entwickeln? Was erst durch das Wollen zu einem weiter entwickelten Können führt.
Ihren Hauptargumenten zu Jack Welchs Aussagen stehe ich durchaus positiv gegenüber, auch wenn ich mich erst in jüngerer Zeit von einem Compensation Verteidiger zu einem differenziert argumentierenden Kritiker gewandelt habe. Ich bin jedoch inzwischen auch der Meinung, dass die Entwicklung - wenn sie nicht begradigt oder besser umgekehrt wird - zu einer Treibmine für den gesellschaftlichen Zusammenhalt werden kann und dies nicht nur in den Entwicklungsländern sondern definitiv auch in den Industrieländern.
Ich bin jedoch der Meinung von Welch, dass Staat und Politik nichts mit der Lohnfindung zu tun haben dürfen. Ab welchem Betrag eine total Kompensation zu viel ist, kann ohne detaillierte Analyse, die erst mit allen Fakten möglich ist, nicht einfach auf Grund einer Zahl entschieden werden.
Als Oscar Grübel, Ex-CEO der Credit Suisse Group, in Pension ging, hat er sicher eine sehr stattliche (Vermögenszuwachs) Summe mitgenommen. Dass die CS wenige Jahre zuvor am Rand der wirtschaftlichen Katastrophe stand, Milliardenwerte und Zehntausende von Arbeitsplätzen auf der Kippe standen, ist bei einem erfolgreichen Turnaround schnell wieder vergessen. Sicher konnte er den Dampfer nur mit der ganzen Teamleistung wieder auf Kurs bringen. Aber die Verantwortung für den Kursentscheid wiegt hat letztlich bedeutend schwerer, wie das Mitrudern nach Anweisung im Heer der Willigen.
Mit Oskar Grübel habe ich gewissermassen den weissen Muster-Raben präsentiert, welcher gemessen am eingetretenen Erfolg und unter Berücksichtigung der vorgefunden, schwierigen Bedingungen bei Stellenantritt, den Erfolgsbonus grundsätzlich verdient hat.
Leider ist es so, dass es viel leichter fällt, eine lange Liste von dreisten Abzockern zu erstellen. Ein hanebüchenes Beispiel ist Dick (Richard) Grasso, EX-CEO der Börse in New York (NYSE). Grasso, der zum Posten durch Vitamin B kam und weder vom Können noch vom Machen etwas zu bieten hatte, musste nach einem Börsen Skandal abtreten. Er bewilligte sich selber noch Hunderte Millionen von Dollars Abfindung.
So gesehen schliesse ich mich ohne Wenn und Aber der Meinung von Frau Müller an, dass Abzockerei weit verbreitet ist. Der Schluss, dass ein fetter Bonus jeden Manager zu einem Gesellschaftsverbrecher macht, ist jedoch nicht zulässig.
Ihrem Kommentar und somit auch Teilen von Welchs Aussagen stimme ich überwiegend zu. Selbstredend ist es nicht die Aufgabe des Staates, sich in die Lohnfindung einzumischen. Das ist gar keine Frage. Daraus aber zu schliessen, dass die Politiker, die Medien und überhaupt die ganze Gesellschaft nicht über die Schieflage bei der Einkommensverteilung diskutieren dürften, ist eine Anmassung sondergleichen. Komplett einfältig und einer Person seines Standes unwürdig ist dann die Behauptung, dass Journalisten neidisch seien auf die Gehälter von Managern. Journalisten sind im Allgemeinen äusserst intrinsisch motiviert, und Schreibtalent kann man sich mit allem Geld dieser Welt nicht kaufen, dies nur nebenbei.
Ein paar Power-Point-Präsentationen weniger und stattdessen einige philosophische Betrachtungen mehr hätten Welch gewiss zum Vorteil gereicht: Man muss dafür sorgen, dass der Gegensatz der Reichen und Armen sich möglichst ausgleicht oder dass der Mittelstand wächst.
Die Forderung stammt aus der Staatslehre des Aristoteles von Stageira, einem Werk, dessen anhaltende Aktualität mich immer wieder fasziniert. Ihm zufolge kommt es in der Demokratie auf zwei wesentliche Elemente an: Freiheit und Gleichheit, wobei erstere auch Unabhängigkeit meint und letztere sowohl Rechtsgleichheit als auch Gleichberechtigung. Beide Grundelemente erst erlaubten dem Menschen, sein Leben so zu führen, wie es ihm angenehm ist.
Träte Aristoteles heute auf und würde die Einlösung oder Einhaltung seiner demokratischen Ideen fordern, er wäre sofort mit dem Vorwurf konfrontiert der Neidgesellschaft das Wort zu reden.
Ich bin gespannt auf nachfolgenden Artikel, auf den mich @ Mara schon mal gluschtig gemacht hat.
http://www.zeit.de/online/2008/22/banken -gehaelter-perella-weinberg?from=rss
Oder ist dieser Parella auch nur wieder ein Neider, weil er die Vergütungspraxis der Banken in Frage stellt?
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hingegen gibt es durchaus Kritikpunkte und wenn die Aktionäre ein Interesse haben, die entsprechenden Lohnkosten und durch Fehlanreize entstehenden Risiken zu minimieren, sollten sie für solche Gedanken offen sein. Aber generalisieren lässt sich da nichts. In jeder Firma sieht die Sache wieder anders aus.
Es wäre schon ein Zeichen von Starrsinn von mir, wenn ich in einer Debatte mit Ihnen behaupten würde - also eine "no win position" einnehmen - Intelligenz gehöre nicht verdientermassen zu den beneidenswerten Eigenschaften eines Menschen. Ich gebe gerne öffentlich zu, dass ich durchaus zum Nachtanken bereit wäre, wenn dies so einfach gehen würde. Diese Aussage hat aber nichts mit Diplomen, Titeln oder akademischen Weihen zu tun. Dafür bin ich zu fest von der Mentalität in der amerikanischen Geschäftswelt geprägt. Was schlicht bedeutet, dass eine "Intelligenzbezeichnung" auf der Visitenkarte aber gar keinen Eindruck bei mir bewirkt. Wer nur eine tolle Bezeichnung auf der Karte hat, ohne es im real life zu bringen, macht sich sehr schnell zum diplomierten Clown. Jetzt bin ich von Ihrer klaren Aussage abgerückt, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. ;-) Allerdings habe ich Ihre Sicht zur Intelligenz gar nie in Zweifel gezogen sondern "n u r " festgestellt, dass die Menschen im Allgemeinen zum Schluss kommen, dass sie über genügend Intelligenz verfügen bzw. zumindest nicht weniger intelligent sind, wie das soziale Umfeld mit dem sie sich vergleichen. Natürlich gibt es Ausnahmen bei dieser Aussage. In der Regel sind es aber eher Menschen mit einem tieferen Ausbildungs- und Weiterbildungsabschluss, welche ungeniert und ehrlich die erfolgreiche und höhergestellte Person um deren Intelligenz bewundern.
Ich habe noch keine Zeit gehabt den empfohlenen Link anzuklicken. Bei Ihrem geschliffenen Wort, werde ich mich vor dem Schein, geklickt zu haben, hüten. Wenn aber Mara und Frau Müller eine Empfehlung zu einem Wirtschaftsthema abgeben, werde ich mich dieser Wissenskonsumation bei nächster Relax-Pause nicht verweigern.
Bereits jetzt kann ich jedoch eine recht weitgehende Zustimmung zur These signalisieren und mich damit wohl Ihrer dezidierten Ansicht anschliessen, dass in e i n e m T e i l der Bankenwelt seit längerer Zeit falsche Anreize gesetzt wurden und die Messung von Bonus relevanten Erfolgszahlen ungenügend erfolgte und vor allem in geradezu sträflicher Weise wurden (werden?) die Nachhaltigkeitskriterien (was ist heute und morgen gut für Bank u n d Aktionäre) vernachlässigt. Die EBK hat das Problem erkannt und hat von CS und UBS umfassende Unterlagen zum Entlöhnungssystem verlangt Was dort zu Eingriffen führen wird, wo durch vorgegebene Bonus-Anreiz-Systeme, die Risikobereitschaft erhöht oder gar ausgehebelt wird (weil ja die Chefs mitverdienen, wenn die (Risiko-) Strategie aufgeht. Die EBK Intervention find ich gut und richtig.
Der Mittelstand leidet heute und morgen vermutlich noch viel mehr. Da orte ich ein ganz grosses Problem. Um diese Aussage in Frau Müller Präzision darzulegen, müsste ich googeln, für Dinge die ich im Kopf habe, aber spontan nur rudimentär wiedergeben könnte. Womit ich mich dem F M Wortschwert aussetze, wenn ich Aussagen nicht nachvollziehbar belege. Diese Möglichkeit möchte ich nicht leichtfertig in Gang setzen. Was natürlich OK wäre, schliesslich gehört es sich auf Facts mit Fakten aufzuwarten.
Habe inzwischen den zur Meinungsbildung empfohlenen Artikel gelesen. Perella und Weinberg verhalten sich im Umgang mit Journalisten nicht anders, wie es Welch getan hat. Sie nehmen ihre Interessen war und sind auf Aufmerksamkeit aus. Die Idee die ganze Bonuswirkung um 5 Jahre zu verzögern ist schlicht ein Nonvaleur, welcher lediglich als quotenträchtiger Schlagzeilen-Lieferant dient. Als Eigentümer einer Investment Bank, sind die Aussagen im Interview auch nicht interessenfrei und dienen somit lediglich dazu, dem bestehenden extremen Pol der heutigen Bonuspraxis einen möglichen neuen extremen Pol gegenüber zu stellen, damit man sich irgendwo dazwischen für eine Veränderung findet. Eine allgemein gültige und im Markt durchsetzbare Abänderung der Bonusberechnung kann nur die ganze Investment Banking Branche durchsetzen. Im Falle Peralla/Weinberg landen die eingesparten Millionen direkt auf deren Konten. Der Markt und Bankkunde Otto Normalverbraucher hat aber schlicht gar nichts davon.
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