Ansichten eines Fooligans: Geteilter Vorteil

Ansichten eines Fooligans: Geteilter Vorteil
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Früher war die Sache mit dem Heimvorteil klar. Nehmen wir die WM 1930 in Uruguay. Da kamen die vier europäischen Mannschaften mit dem Ozeandampfer zum Turnier, waren nach dreiwöchiger Reise hüftsteif und ballvergessen und die Sensibleren unter den Spielern dürften einen ausgeprägten Lagerkoller gehabt haben.

Von Mannschaftsköchen konnte noch nicht die Rede sein, gegessen wurde, was einem die Gastgeber auf den Tisch stellten. Ohne zu weit ins Spekulative abgleiten zu wollen: Die Vermutung liegt nah, dass die durch serbischen Bohneneintopf abgehärteten Jugoslawen es ihren gestählten Därmen zu verdanken hatten, dass sie es immerhin bis ins Halbfinale schafften, während die französischen Feinschmecker sang- und klanglos in der Vorrunde ausschieden.


Weltmeister wurde natürlich Uruguay, das im Finale Argentinien besiegte. In der ersten Hälfte führte Argentinien mit 2:1, da spielte man noch mit einem argentinischen Ball. In der zweiten Halbzeit konnte Uruguay auf 4:2 davonziehen. Mit einem Ball aus Uruguay.

Die Reisestrapazen halten sich bei der Euro 2008 bei allen Mannschaften in Grenzen. Bei den Niederlanden, deren höchste Erhebung ein Maulwurfshügel in der Nähe von Kerkrade ist, dürfte die Bergluft kurz für Verwirrung sorgen, die liebevoll zubereiteten niederländischen Spezialitäten ihres Kochs werden die Spieler aber darüber hinwegtrösten.


Und doch gibt es immer noch einen Heimvorteil. Wissenschaftliche Untersuchungen können nicht so recht belegen, worauf er zurückzuführen ist. Die Stadien ähneln einander zu sehr, als dass es wegen der vertrauten Umgebung einen Territorialvorteil geben könnte, vor leeren Zuschauerrängen wird sogar erfolgreicher gespielt als vor enthusiastischen Anhängern. Die Liebe der Fans ist es also auch nicht, die Flügel verleiht.
Die macht höchstens dem Schiedsrichter Beine, der in der Regel eine leicht erhöhte Elfmeterpfeifbereitschaft zugunsten der Gastgeber zeigt.

Am Ende ist es mit dem Heimvorteil wie mit der Homöopathie. Wenn man daran glaubt, dann wirkt er. Selbst wenn man seinen Glauben mit den Österreichern teilen muss.
Als Nicht-Wissenschaftler rate ich übrigens trotzdem zum lauten, möglichst beseelten Anfeuern der eigenen Mannschaft. Macht deutlich mehr Spaß.


Malte Welding ist Autor bei Spreeblick.com und wird in den nächsten Wochen aus deutscher Sicht die Euro 2008 auf facts kommentieren.
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