Ansichten eines Fooligans: Verdi gegen die fliegenden Holländer

Ansichten eines Fooligans: Verdi gegen die fliegenden Holländer
Gijs Bekenkamp/iStockphoto
Man hofft ja immer, dass denen, für die die Euro 2008 nur ein Event unter vielen ist oder gar nur eine andauernde Lärmbelästigung, auch – wenigstens für einen Moment - etwas von der Herrlichkeit dieses Sports erlebbar wird.
Da treffen zwei Mannschaften aufeinander, die auf jeder Position so atemberaubend besetzt sind, dass man an antike Superhelden denken muss.

Van Nistelrooy gegen Toni, Sneijder gegen Pirlo, van der Vaart gegen Del Piero, van der Sar gegen Buffon, Ajax gegen Hektor und Patroklos Huntelaar spielt nicht einmal mit.


Da wurden Pässe gespielt, die den Gesetzen der Physik neue Paragraphen hinzufügten, der Anatomie des menschlichen Beines spottende Dribblings in einem Tempo gestartet, dass man den Spielern einen Sturzhelm reichen möchte.
Der deutsche Kommentator sagte, die Italiener hätten enttäuscht, aber das hätte man dann von den Trojanern auch sagen können.

Fußball kann, bei allem Machismo, bei allem Kampf und Blut und Schweiß und im Nachhinein nominierten Dänen, reine Schönheit sein.


Verdi gegen die fliegenden Holländer, da möchte man direkt noch eine Karte lösen und das Ganze von vorne sehen.
Zwei Auffassungen vom Spiel, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die Italiener, als hätte Leonardo da Vinci Bunker gebaut, die Holländer wie elf Mohammed Alis gegen eine Wand aus Joe Fraziers.


Drei Tore, in Holland sind die Coffeeshops geschlossen, mehr Rausch kann nicht sein.
Aber: Bedenke, dass du sterblich bist, Holland. 1992 spielten sie mit einem 3:1 gegen Deutschland und schieden dann aus – gegen besagte nachnominierte Dänen.
Was für ein Kater.

Malte Welding ist Autor bei Spreeblick.com und wird in den nächsten Wochen aus deutscher Sicht die Euro 2008 auf facts kommentieren.


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