Ansichten eines Fooligans: Rein oder nicht rein
Helden werden geboren, Versager davon gejagt, tatsächlich regiert nur einer den Fußball – der Zufall.
Der Europameister ist draußen und alle sagen: kein Wunder, war schließlich auch ein Wunder, der Titel beim vorigen Mal. Rehhagel fügt hinzu, seine Griechen hätten schließlich auch gewinnen können, er jedenfalls sei nicht unzufrieden. Tatsächlich ist das Ausscheiden der Griechen kein Wunder – noch nie hat ein Europameister den Titel verteidigt.
Entweder Weltmeister Italien oder Vize-Weltmeister Frankreich - möglicherweise sogar beide - werden ausscheiden. Auch das ist ein normaler Vorgang. Erst zwei Mal wurde eine Mannschaft innerhalb von zwei Jahren Welt- und Europameister (Deutschland 1972 und 1974, Frankreich 1998 und 2000).
Zudem ist es noch niemals einer Mannschaft gelungen den Champions-League-Pokal zu verteidigen.
Wie leicht ist es im Vergleich, auf den Sieger von Tennisturnieren zu setzen. Dort gibt es jahrelange Serien bei Turnieren. Roger Federer dominiert Wimbledon nach Belieben – und ist mit dieser Dominanz zwar ein Spektakel, aber keine rare Ausnahme. Sampras, Borg, Navratilova, Graf haben vorgemacht, dass Konstanz im Tennis über Jahre möglich ist.
Dieser Unterschied ist leicht zu erklären. Griechenland schoss während des Turniers in Portugal sechs Tore (Federer muss – um ein einziges Spiel zu gewinnen, vier Punkte machen). In jeder Partie, die die Griechen gewannen, erzielten sie genau ein Tor mehr als der Gegner. Jedes dieser sechs Tore hätte genauso gut nicht fallen können. Ebenso hätte sehr gut das Tor der Russen gestern Abend nicht fallen können.
Der mit dem Rücken zu Zyryanov stehende Semak, der hinterherhechelnde Nikopolidis – in tausend Spielen würde sich diese Konstellation nicht wiederholen.
Zum schieren Zufall des Ballflugs gesellt sich der Einfluss des Schiedsrichters. Vor jeder Ecke wird im Strafraum gerangelt wie bei der World Wrestling Federation – und ab und an ist dieses Gerangel dem Schiedsrichter einen Pfiff wert. So ist Österreich noch im Turnier, während vor den Verbleib der Schweizer die Götter das Schienbein von Sverkos gesetzt haben.
Man mag es als Liebhaber dieses Sports gar nicht recht zugeben, aber Otto Rehhagel hatte eben doch Recht, als er sagte: "Mal verliert man, mal gewinnt der Gegner." Bis heute das Leitmotiv der Donald Ducks dieser Welt.
Und manchmal ist der schwerste Gegner die Latte. Der Ball. Die Pfeife.
Malte Welding ist Autor bei Spreeblick.com und wird in den nächsten Wochen aus deutscher Sicht die Euro 2008 auf facts kommentieren.







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