15/06/2008 22:59
Überforderte Schüler, verärgerte Eltern
Schüler sollten die Hausaufgaben selbstständig erledigen können. So lautet die Theorie. Die Praxis sieht anders aus: Ohne die Hilfe der E...
»Schüler sollten die Hausaufgaben selbstständig erledigen können. So lautet die Theorie. Die Praxis sieht anders aus: Ohne die Hilfe der E...
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Diskussion
Mal im Ernst: Die Schüler werden immer dümmer und daran sind sicher nicht die zu schweren Hausaufgaben schuld.
Mal im Ernst: Der Artikel zeichnet eine Entwicklung nach, die kaum wegzudiskutieren ist. Was den Kindern heute alles zugemutet wird aus Angst, sie könnten später im Leben nicht mithalten, ist nur noch als grotesk zu bezeichnen.
Nicht nur, dass sie unbedingt den Übertritt in die nächsthöheren Stufen schaffen müssen, wofür jedes Mittel recht ist, wie der Artikel zeigt. Nein, auch die Freizeit wird gern mit allerhand Kursen und Lektionen und organisierten Aktivitäten zugepflastert, wobei Mami den Taxidienst garantiert. Selbstverständlich aus dem Grund, weil die Strassen zu unsicher sind. Unsicher wegen all den Papis, die unbedingt pendelnd die Strassen der Städte verstopfen, die Durchgangsstrassen zu Rennstrecken machen müssen. Intelligente Erwachsene!
Eine bessere Einstimmung in eine lebenslange Tretmühle gibt es kaum.
Aufgabe: Wie lange muss die Strecke P P' sein, damit das Dreieck d eine Fläche von 60cm2 aufweist.
Voraussetzungen:
- Gleichungen mit einer Unbekannten lösen ist seit einer Woche bekannt
- Flächenberechnungen bei nicht rechtwinklichen Dreiecken noch unbekannt
Bitte die Lösung so erklären, dass sie jemand mit diesem Wissensstand in der 1. Sek versteht. Ich teste sie dann für Sie im "Real Life" :).
a*b/2= a*(b+12)/2 -60
@dolphin69: Ich habe die Privatschulproblematik aus einer anderen Perspektive erlebt. Die Schüler dies am normalen öffentlichen Gymnasium nicht geschafft haben, haben an die Privatschule gewechselt, weils dort halt schlicht und einfach einfacher war.
@Christoph: Tatsächlich habe ich schon mehreren Schülern oder Erwachsenen Mathematik Nachhilfe gegeben. Das Problem sollte lösbar sein, auch wenn das Wissen tatsächlich erst seit einer Woche da ist.
Formel für die Fläche eines Dreiecks: (Seite*Höhe)/2
(a*h)/2=A
a: Seite; bekannt 12cm
A: Fläche; bekannt 60cm
h: Höhe; unbekannt
Jetzt so umformen, das die Unbekannte auf einer Seite ist.
(a*h)/2=A | mit 2 multiplizieren
a*h=2A | durch a dividieren
h = 2A/a | "einsetzen" -> Bekannte Variablen durch Werte ersetzen
h = 2*60cm2/12cm
h = 10 cm
Das war jetzt extra ausführlich - Normalerweise werd ich für so was bezahlt ;)
Was man wissen muss ist, dass bei rechtwinkligen Dreiecken Hoehe mal Seite/2 die Flaeche ergibt. Nun muss man nur noch richtig einsetzen.
Mal im Ernst: da bin ich so richtig froh, ist dieser Kelch an mir vorbeigegangen - ich oute mich als überfordert.
@Oliver Reichenstein: bravo, bestanden, Lizenz zum Kinder kriegen ist schon in der Post!
Die Professoren und Lehrer, die über die Dummheit neuer Schüler-/Studentengenerationen lästern sind ein Stereotyp. In der Tat gibt es Vergleiche von Schulstoffen damals und heute, die eindeutig belegen, dass das Anforderungsniveau stetig steigt. Für die Unterrichtenden kommen weitere Probleme dazu: komplexere soziale Strukturen und soziale Ungleichheiten in den Klassenverbänden, neuerdings wieder grössere Klassen, zusätzlicher administrativer Aufwand, häufige Schulreformen, Erosion des Ansehens des Lehrerberufes, selbstgefällige, aber erziehungsunwillige Eltern etc. Das könnte schon zu Problemen bei der Ausbildung unserer Kinder führen. Dennoch beweisen immer wieder Lehrer, so auch die unserer 1.-Seklerin, dass man mit Erfahrung, Einsatz und auch einem gesunden Mass an Selbstsicherheit in der Ausübung seines Berufes all das unter einen Hut bringen und Schülern gleichzeitig zu Wissen UND sozialer Kompetenz verhelfen kann.
Schön wärs, wenn wir unser System so ausstatten könnten, dass solches weniger vom Idealismus einzelner, als von der Logik des ganzen Schulsystems getragen wird.
Ich bin für die freie Schulwahl. Ob das jetzt in Form von Bildungsgutscheinen oder sonstwie ist - das muss ich mir auch nicht überlegen - da gibts genug andere die das anhand von Dreiecken und Formeln für den Rest der Gesellschaft berechnen.
PS: und als dann noch die jüngste Tochter die beste Mathematur der Klasse im Sack hatte - fand ich meine Verweigerungstaktik gar nicht mal so schlecht.
Warum verdoppelte sich die Maturaquote in den letzten zwanzig Jahren?
Wir erleben einen Boom von Naturwissenschaft und Technik. Weshalb steigen die Studentenzahlen bei den Phil. I Fächern?
Nur etwa 2% der Uniabsolventen können Professor werden. Blasen die restlichen 98% wirklich bloss die Verwaltungen auf?
Wieviele Akademiker erträgt unsere Gesellschaft?
Schön Frenk, dass du die entsprechenden Folgerungen daraus ziehst - genau so ist es.
und das Elende dabei - Wenn dann mal ein anständiger Handwerker gebraucht wird - ja, wo finden wir denn den? Wo?
Toll wären doch Handwerker die noch Spass am Denken haben (und dann dürfen sie auch gerne ums Dreieck denken) - aber die, die das leisten könnten werden ja vorher in die "akademische Richtung" verhausaufgabt.
2. Anstaendige Handwerker gibt es genug. Sie kosten (im internationalen Vergleich) einfach ein Vermoegen. Ob das gut oder schlecht ist, scheint mir eine perspektivische Frage. Jedenfalls arbeiten sie solide, was nicht ueberall selbstverstaendlich ist.
3. Wer die Matur macht, macht mehr Geld. Ja, es gibt tonnenweise Beispiele von Nichtmaturanden, die erfolgreich sind, aber wenn ich sehe, was meine Unileute und die, die nach dem Gym an die Uni sind heute machen, dann sehe ich 50% Gehaelter ueber 10k. Klar will das Papi fuer den Sohn. Ich werde meinen Kindern 100% garantiert sicher auch versuchen beizubringen, dass es sich lohnt zu bueffeln. Finanziell und intellektuell.
In der Schweiz haben wir gefährliche Verschiebungen im „Zwischenbereich“. Viele interessante Berufe sind den Schulabgängern (und auch den Eltern) gar nicht bekannt. Frag doch bitte mal einen Herzspezialisten oder einen Ingenieur, WEN er alles noch braucht, um seinen Job zu machen.
@Oliver - und schön wäre es wenn die Kinder nicht beigebracht bekämen (von Papis, Lehrerinnen und sonstigen Fachleuten), dass sich etwas lohnt, sondern wenn sie die Möglichkeit und das geistigen und räumliche Umfeld dazu bekämen das selber herauszufinden.
Übrigens ich bin Realistin nicht Idealistin (nur für den Fall, dass dieser Gedanke auftauchen sollte).
Und wenn ich dann schon arbeiten muss, dann möchte ich möglichst viel $$$$
1. Ich habe Philosophie studiert. Ich habe das studiert, was mich am meisten interessiert hat, in der Ueberzeugung, dass ich damit auch am ehesten meinen Lebensunterhalt verdienen werden will. Und das hat soweit recht gut geklappt.
2. Ich habe gesagt finanziell und intellektuell ist es von Vorteil, wenn man an die Uni geht. Was ist daran falsch?
@luftlinie: Ich waere meinen Eltern seinerseits sehr dankbar gewesen, sie haetten mir erklaren koennen, was "studieren" ist. Dass "Student" nicht einfach ein "Fauler Siech" ist, der auf Staatskosten rumtroedelt und dumm schnuurt. Dass der, der mir in Fragen, die ich als kleiner Bub hatte, und keiner beantworten konnte (z.Bsp ist der Mensch ein Tier?) weiterhelfen kann, Sokrates heisst, und dass man zum Sokrates' Gedankenwelt besser kennen zu lernen, eine Matura braucht, weil man sonst nicht an die Uni kann und man sich alleine an einem Platon die Zaehne ausbeisst -- musste ich alles selber muehsam (mit 2 voellig unnoetigen Schul-Ehrenrunden von Real ueber Sek bis Progy) herausfinden.
Eltern und Lehrer sollten ihren Kindern schon in der Primarschule offen und ehrlich die Moeglichkeiten auseinanderlegen. Wer was mit Hand und Fuss machen will, soll schreinern, wer schwierige Fragen hat, soll Philosophie studieren, kuenstlerische Kinder sollen an die Schule fuer Gestaltung, etc.
Apropos: Was haltet ihr eigentlich davon, dass man heute eine Matura braucht fuer die Schule fuer Gestaltung?
Zu Apropos von Oliver: Die HGK kann auch über eine Berufslehre mit Berufsmatur erreicht werden. Diese können direkt in das Studium einsteigen. Von den Maturanden wird ein 1-jähriges Praktikum in einem gestalterischen Betrieb verlangt. Das ist kein Schwachsinn.
Das mit den 98% Verwaltung war etwas übertrieben. Hier etwas realistischere Zahlen: http://www.mvub.unibe.ch/downloads/NZZ_0 40505.pdf
@Oliver et al.
Meine Töchter nennen mich schon lange Klugscheisser. Ein naturwissenschaftliches Studium käme für beide nicht in Frage. Vielleicht nicht mal eine Matur. Mit dieser Tatsache habe ich mich mittlerweile abgefunden, obwohl ich selbst Akademiker bin (Phil. II). Was für mich als Vater viel wichtiger ist, ist ihnen beizubringen Fragen zu stellen, selber zu denken und früh eine eigene Meinung zu entwickeln. Und sonst kann ich mich nur als wandelndes Lexikon ihnen zur Verfügung stellen. Das gilt auch bei der Lösung von Hausaufgaben.
Dabei kommt viel zu kurz, dass, nur einige Beispiele:
80% der erwähnten sind Millionäre aus Arbeitseinkommen! 95% sind intelligent.
Dass es @elunzo nur um die Penunze geht, sagt ja schon der Name, das mussten Sie nicht noch extra erwähnen.... Nein, im Ernst, das ist nicht Ihr Ernst, und das wissen Sie. Immer wieder konnten wir lesen, dass der Lohn als Motivation nur ganz kurz, so ca. 6 Monate, funktioniert. Dann muss wieder mit Anerkennung etc. gelöhnt werden.
Ich muss lächeln über Ihre, @OR, idealistische Darstellung des Wissenshungers der Studenten.... Schon fast herzig
Wissen Sie, die Alternative heisst nicht Job-Der-Mir-Stinkt für viel oder Job-Der-Mir-Stinkt für wenig Geld. Sie heisst Job-Der-Mir-Stinkt oder Arbeit-Die-Ich-Auch-Gratis-Täte. Dazwischen gibts viele Schattierungen, aber die natürliche Tendenz ist in der Regel eindeutig.
Sie sind da offenbar eine Ausnahme. Allerdings sollten Sie jetzt Ihre Zwangslage nicht auch noch glorifizieren.
Aber eines noch: Ich wünsche mir im Controlling keine Menschen, die einer mehrfach widerlegten Motivationstheorie anhängen - sie könnten Schaden anrichten.
Zwar wünschte ich mir, dass zwei meiner Bekannten, Tierpfleger im Zoo, ein besseres Gehalt hätten, aber ich kenne wenige Menschen, die jeden Tag mit solcher Vorfreude zur Arbeit springen. Auch unter Wirten und Winzern habe ich viele glückliche und leidenschaftliche Menschen kennengelernt. Oder der Förster im Sihlwald oder meine Tangolehrer hier und in Argentinien. Auch der Mann, der mit der Zange im Park herumläuft und Abfall hochhebt, meinte mir gegenüber, dass er nie im Leben mit so einem Bürotschumpel tauschen würde, nicht mal für 2000 Franken mehr Lohn.
Eine Altenpflegerin sagte mir, sie überlege sich hin und wieder, ob sie ihren Job auch als Lottogewinnerin weiterhin ausüben würde. Und wenn sie diese Frage nicht mehr bejahen könne, dann müsste sie davon ausgehen, dass sie heute ein falsches Leben führe. Sie liebt ihre betagten Menschen über alles.
Übrigens alles Leute, die zwischen 3800 und 5000 Franken im Monat verdienen, aber sich täglich von Neuem, teils seit Jahrzehnten, auf ihren Job freuen und voller Leidenschaft über ihre Arbeit sprechen. Mich berühren solche Menschen zutiefst. Leidenschaftliche Menschen bewirken etwas im Leben anderer. Sie sind charismatisch und inspirieren die Menschen, denn Leidenschaft ist ansteckend.
Ignorant und geringschätzend ist es viel mehr, Putzleuten ihre Freude an ihrer Tätigkeit und ihren Berufsstolz abzuerkennen.
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