Ansichten eines Fooligans: Angst und Schrecken im Viertelfinale
Der Angstgegner zeichnet sich dadurch aus, dass ihm offensichtlich die ganz großen Triumphator-Qualitäten fehlen, er es aber ins Unterbewusstsein seines Gegners geschafft hat.
Auch der Größte hatte einen Angstgegner. Mohammed Ali wusste nichts mit dem Stil von Ken Norton anzufangen. Norton baute beständig Druck auf, war stark und obwohl er ein Glaskinn hatte, was ihn gegen punchstärkere Gegner schlecht aussehen ließ, konnte der schmetterlingsgleiche Ali, der mit dem Bienenpunch (was ja eher niedlich klingt – was ist das überhaupt für ein Schlachtengesang für einen Boxer „Float like a butterfly, sting like a bee“?), ihn nicht auf die Bretter schicken.
Ebenso gibt es Angstgegner in der Natur. Kobras scheinen am Boden unbesiegbar, sind aber für bewegliche Säuger wie den Mungo eine willkommene Abwechslung, Löwen sind nicht nur im Zeichentrickfilm die Könige der Savanne, sind aber in der Rückwärtsbewegung unsolidarisch und verlieren ihre Beute häufig an Hyänen.
Natürlich hat auch jedes Fußballteam einen Opponenten, der ihr nicht liegt. Brasilien, die glorreichste aller Fußballnationen, kann gegen die Fjordnation Norwegen nicht gewinnen und Alemannia Aachen läuft regelmäßig in die tückischen Konter des SC Freiburg.
Frei von diesem psychischen Komplex, der im Fußball manchmal Jahrzehnte anhalten kann und völlig unabhängig ist von Besetzung, Trainer oder Rasenfarbe, ist einzig und allein Italien.
Die Azzurri thronen im Fußball über jedem, ihre Bilanz gegen Brasilien ist noch einschüchternder als die der Norweger, die Niederlande sind für sie nur eine Schülertruppe auf dem Weg zum Bus und in deutschen Stadien darf der Name Italien nicht einmal geflüstert werden.
Die Italiener kennen keine Furcht, haben auf jede Situation die richtige Antwort und acht Minuten vor Schluss wechseln sie Inzaghi ein, der immer trifft.
Nur eine Kleinigkeit: Sie sollten vermeiden, dass sie auf Kroatien treffen. Gegen die können sie nämlich nicht gewinnen. Und gegen Spanien ist ihre Bilanz gerade einmal ausgeglichen.
Aber das wiederum hat bekanntermaßen mit einem Turnierfluch zu kämpfen.
Irgendwo in den nebligen Sümpfen des Mystizismus, da gedeiht der Fußball. Vogelflug und Kaffeesatz, Glaskugel und Tarot kommen ihm nicht bei. Er ist der Angstgegner der Prognose.
Malte Welding ist Autor bei Spreeblick.com und wird in den nächsten Wochen aus deutscher Sicht die Euro 2008 auf facts kommentieren.







Diskussion
Melden Sie sich an oder loggen Sie sich ein, um an der Diskussion teilzunehmen.