Ansichten eines Fooligans: Glückliche Giganten
Naja.
Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schroeder sagte einmal sinngemäß: „Wenn etwas gut gelaufen ist, dann muss man im Nachhinein eine Erfolgsgeschichte daraus basteln.“
Bis heute erzählt man sich in Deutschland, die 3:8-Niederlage der deutschen Mannschaft in der Vorrunde der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz sei auf die Gewieftheit ihres damaligen Trainers Sepp Herberger zurückzuführen.
Da wir hier aber bei facts sind und nicht bei fiction, lohnt ein zweiter Blick auf die Heldengeschichten der Halbfinalisten.
Dort sind die Russen, eine technisch beschlagene Mannschaft mit viel Kampfgeist, guter Kondition und dem Killerinstinkt einer Blaumeisenfamilie. Die Spanier, die im Aufbau harmonieren wie die drei Musketiere und mit ihrer entzückenden Winzigkeit bei jedem Kopfball auf virtuelle Leitern steigen, aber gegen Italien offensichtlich den Plan verfolgten, den Gegner zu Tode zu langweilen.
Die Deutschen mit Michael Ballack in Abwehr, Mittelfeld und Angriff, die jeden Gegner niederwalzen, „planierraupengleich“ (würde die europäische Boulevardpresse schreiben, wäre „Panzer“ nicht der knackigere Ausdruck). Gegen Kroatien und Österreich waren sie so schwach, dass man das Rote Kreuz benachrichtigen wollte.
Und die Türken, die Beherrscher des Chaos? Die geben tatsächlich nie auf, kommen aber überhaupt erst jedesmal in die Verlegenheit bis zur letzten Sekunde ackern zu müssen, weil sie nicht einmal ein Meerschweinchen in 89 Minuten niederringen könnten.
Es gewinnen bei einem Turnier nicht die Besten, nicht die Helden, nicht die Giganten.
Es gewinnen die – Achtung! Jetzt kommt eine Tautologie – die gewinnen.
The Winner takes it all und darf als Erster ins Ermüdungsbecken, die Dichter besingen seine Kraft und über das, was vorher war, legt sich der sanfte Schleier der Legende.
Glückliche Giganten.
Malte Welding ist Autor bei Spreeblick.com und wird in den nächsten Wochen aus deutscher Sicht die Euro 2008 auf facts kommentieren.







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