Ansichten eines Fooligans: Schlafende Füße

Ansichten eines Fooligans: Schlafende Füße
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Viele deutsche und türkische Kinder (und ich!) werden heute Nacht vor Aufregung nicht schlafen können. Da werden Szenarien durchgespielt, wie es der eigenen Mannschaft am schnellsten gelingen mag, fünf Tore zu schießen, Idealflanken auf Mario Gomez werden so geschlagen, dass er gar nicht anders kann, als den Ball zu versenken und wenn wir dann fiebrig einschlafen, werden wir von der Erinnerung an Kahns Patzer im WM-Finale 2002 geweckt oder von der Vorstellung, der türkische „Imperator“ habe uns für den Sturm nominiert, weil sein dritter Torwart die Masern bekommen hat.

Zu den ungelösten Rätseln des Fußballs gehört immer noch die Antwort auf die Frage: Wie schaffen es die Spieler, vor wichtigen Spielen zu schlafen?


Keine Frage, die zu vernachlässigen ist, denn Spitzensportler brauchen mit zehn Stunden Schlaf zwar etwas weniger als Säuglinge (16) und Koalas (20), aber doch deutlich mehr als die zu Unrecht mit diesem Namen belegten Faultiere. Die sind nämlich, so weiß die Forschung heute, in Wirklichkeit recht agil, sie schlafen in freier Wildbahn nur 9,6 Stunden am Tag.

Die deutsche Mannschaft sorgte für Aufsehen mit High-Tech-Matratzen, die pro Stück 3000 Euro kosten. Bei diesen kann automatisch der Härtegrad verstellt werden. Wer zur gemütlichen Embryonalstellung neigt, dem wird eine Extrakuhle zur Verfügung gestellt und eine elektrische Schäfchenzählmaschine, die auf Wunsch mit der Stimme der Mutter des Spielers bespielt werden kann, ist ebenfalls im Preis enthalten.


Aber Technik allein kann doch nicht für beruhigten Schlaf sorgen. Was ist das Geheimnis?
Tunnelblick? Selbsthypnose? Gebete?
Oder ist es ganz anders: Die Spieler liegen heute genauso wach wie wir und spielen deshalb wie die Italiener?
Dieser Gedanke wird mich um den Schlaf bringen.


Malte Welding ist Autor bei Spreeblick.com und wird in den nächsten Wochen aus deutscher Sicht die Euro 2008 auf facts kommentieren.


 
 
 
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